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Fallbericht: Neonatale Isoerythrolyse – Wenn Kolostrum zur Gefahr für das Fohlen wird

Mitte Februar wurde uns ein drei Tage altes Fohlen vorgestellt. Am Tag seiner Geburt war es bereits von unserer Tierärztin untersucht worden und zu diesem Zeitpunkt völlig unauffällig.

Drei Tage später kontaktierte uns der Besitzer: Ihm war aufgefallen, dass der kleine Hengst sehr matt geworden war und sich kaum noch bewegte. Bei einem so jungen Fohlen ist dies ein echtes Alarmsignal. Bei der klinischen Untersuchung fiel uns neben dem apathischen Verhalten sofort eine deutliche Gelbfärbung der Schleimhäute (Ikterus) auf.

Die daraufhin gewonnene Urinprobe war bereits dunkelbraun verfärbt. Parallel leiteten wir in unserem hauseigenen Labor eine Blutuntersuchung ein. So konnte innerhalb kurzer Zeit die Diagnose gestellt werden: Neonatale Isoerythrolyse. In diesem Fall handelte es sich um die verzögerte Variante – meist treten die Symptome im akuten oder perakuten Verlauf noch schneller auf.

Was genau ist eine neonatale Isoerythrolyse?

Dabei handelt es sich um eine erworbene, immunvermittelte Erkrankung neugeborener Fohlen. In den ersten Lebensstunden ist die Darmwand des Fohlens noch durchlässig, damit es die lebenswichtigen Antikörper der Mutterstute über die Biestmilch (Kolostrum) aufnehmen kann. Bei dieser Erkrankung passen die Blutgruppen von Stute und Fohlen jedoch nicht zusammen: Die aufgenommenen mütterlichen Antikörper richten sich gegen die roten Blutkörperchen (Erythrozyten) des Fohlens und zerstören diese. Ein bis dahin gesundes Fohlen wird so schnell zum lebensbedrohlichen Notfall.

Durch den Abbau der roten Blutkörperchen (Hämolyse) kommt es zu einer hochgradigen Anämie (Blutarmut) und einem Sauerstoffmangel im Gewebe. Der rote Blutfarbstoff wird abgebaut, was zur Gelbfärbung der Schleimhäute und zur Braunverfärbung des Urins führt. Ohne schnelles Eingreifen werden die Fohlen immer schwächer, legen sich fest oder versterben. In seltenen Fällen können auch neurologische Symptome auftreten.

Die Therapie unseres Patienten

Nach der Diagnosesicherung wurden umgehend Notfallmaßnahmen ergriffen. Zuerst wurde die weitere Aufnahme der Muttermilch strikt unterbunden. Die Stute wurde abgemolken, während das Fohlen vorübergehend mit Milchaustauscher ernährt wurde. Über einen Venenkatheter in der Jugularvene (Halsvene) leiteten wir eine Vollbluttransfusion ein, um die zerstörten roten Blutkörperchen des Fohlens zu ersetzen. Zusätzlich erhielt der Patient entzündungshemmende Medikamente, Schmerzmittel sowie ein Breitbandantibiotikum zum Schutz vor Sekundärinfektionen.

Da der Zustand solcher Fohlen sehr schnell kippen kann, nahmen wir Stute und Fohlen stationär auf. Es folgten drei intensive Tage mit engmaschigen Blutkontrollen, Infusionstherapie, Medikamentengaben und einer getakteten Fütterung per Hand.

Bereits nach der Transfusion verbesserte sich der Zustand des kleinen Hengstes sichtlich; er wurde zunehmend munterer. Am dritten Tag durfte er erstmals wieder kontrolliert bei der Mutter trinken. Da die Laborwerte stabil blieben, konnten beide entlassen werden. Bei der Nachuntersuchung eine Woche später präsentierte sich das Fohlen bei bestem Allgemeinbefinden und mit unauffälligen Blutwerten.

Das gesamte Team und die Besitzer sind erleichtert, dass dieser Fall ein so gutes Ende genommen hat. Wir wünschen dem kleinen Hengst eine gesunde Entwicklung und ein langes Pferdeleben!

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